Verletzte Vögel
Pflege von verletzten Greifvögeln und Eulen
Gesundpflegen von verletzten Greifvögeln und Eulen sowie von Jungvögeln zum Zweck der Wiedereingliederung in die freie Wildbahn

Jährlich werden ca. 150 verletzte Greifvögel, Eulen sowie Patienten anderer Vogelarten und 200 bis 250 Jungvögel (Findlinge) in der Station aufgenommen. Die Vögel stammen zum Großteil aus Wien Niederösterreich und dem Burgenland, wobei seltene Arten auch aus benachbarten EU-Ländern kommen. Sie werden in der Station oder an der Veterinärmedizinischen Universität Wien abgegeben, vom Wiener Tierschutzverein überbracht oder bei Bedarf auch von Mitarbeitern der Station geborgen.
Ziel ist immer die Wiedereingliederung eines vollwertigen Wildvogels in seinen natürlichen Lebensraum.
Alle freizulassenden Greifvögel und Eulen werden mit Fußringen versehen.

Patienten

Die Verletzungsursachen sind vielfältig und spiegeln verschiedene Bedrohungsfaktoren für einzelne Arten, aber auch deren Häufigkeit im Freiland wider. Während Sumpfohreulen mit abgemähten Flügeln und stark geschwächte, aus Kaminen geborgene Steinkäuze Einzelfälle darstellen, sind Mäusebussarde, Turmfalken und Waldkäuze, die nach Kollisionen mit Autos eingeliefert werden, Routine.
Die medizinische Erstversorgung und/oder ein nötiger operativer Eingriff erfolgt an der Univ.-Klinik für Geflügel, Ziervögel, Reptilien und Fische der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
Der erforderliche Aufenthalt in der Station schwankt je nach Verletzungsgrad von wenigen Tagen bei Gehirnerschütterungen bis zu über einem Jahr bei Flügelbrüchen, Luxationen oder Federdefekten. Im Durchschnitt beträgt er zwei bis drei Monate. Während dieser Zeit wird menschlicher Kontakt zu den Tieren auf ein Mindestmaß eingeschränkt, um keine unnatürliche Vertrautheit entstehen zu lassen.
Freigelassen werden genesene Patienten, wenn möglich an ihrem Fundort. Die Freilassungsvorbereitungen in der Station verlaufen zumeist unkompliziert, sie beschränken sich auf die Unterbringung in einer der großen Flugtrainingsvolieren.
Aussichtslose Fälle werden, je nach ihrem körperlichen Zustand, sofort eingeschläfert. Vögel seltener Arten, die wegen einer bleibenden körperlichen Behinderung nicht mehr freigelassen werden können, werden in der Station, in Zoos oder Wildparks in Zuchtprojekten eingesetzt. Vögel häufigerer Arten, die ebenfalls für eine Freilassung nicht mehr in Frage kommen, sich aber bis auf ihre Flugbehinderung in gutem Zustand befinden, werden zu Zuchtpaaren zusammen gestellt und kommen als Ammenvögel für zahlreiche Findlinge zum Einsatz.

Die Freilassungsquote für Patienten beträgt zwischen 35 und 50%.

Liste der bisher betroffenen Arten

Greifvögel
Bartgeier Seeadler Sperber Wanderfalke
Mönchsgeier Steinadler Habicht Sakerfalke
Gänsegeier Mäusebussard Rohrweihe Merlin
Schmutzgeier Adlerbussard Kornweihe Rotfußfalke
Kaiseradler Wespenbussard Wiesenweihe Turmfalke
Schelladler Rauhfußbussard Schwarzmilan Baumfalke
Schreiadler Rötelfalke
Eulen
Schleiereule Zwergohreule Uhu Steinkauz
Waldkauz Waldohreule Sumpfohreule Rauhfußkauz
Habichtskauz Sperlingskauz    
Andere seltene Arten
Großtrappe Weißstorch Schwarzstorch Brachvogel
Löffler Silberreiher    

Findlinge

Junge Greifvögel und Eulen, die als „verwaist” aufgelesen und in die Station überstellt werden, gehören vorwiegend Arten an, die in oder nahe an Ortschaften und Städten brüten. Meist handelt es sich um Tiere, die als so genannte „Ästlinge” nicht mehr in ihrem Nest oder ihrer Höhle die Futterversorgung durch ihre Eltern warten wollen, aber auch um Junge, die aus dem Nest gestürzt sind, ihr Nest verloren haben oder deren Elterntiere verunglückt sind.
Manchmal sind auch sehr seltene Arten davon betroffen, wie z. B. Junge aus einem ausgemähten Wiesenweihennest.
Nach Möglichkeit werden Junge, die im ganz normalen Ästlingsstadium irrtümlich als „elternlos” mitgenommen wurden, schnell wieder an den Fundort zurück gebracht.
Das Alter zum Zeitpunkt der Übernahme ist unterschiedlich, die Jungvögel sind manchmal frisch geschlüpft, mitunter aber auch fast flügge.
Mit dem Anstieg der Turmfalkenpopulation im städtischen Bereich hat sich die Übernahme junger Turmfalken zu einem quantitativen Schwerpunkt entwickelt. In günstigen Jahren werden alleine aus Wien bis zu 150 Jungfalken in der Station aufgenommen. Die Anlieferung erfolgt in den meisten Fällen über den Wiener Tierschutzverein.
Neben hochqualitativem Futter ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um das Heranwachsen gesunder Jungtiere mit einem vollständigen und intakten Verhaltensinventar zu gewährleisten, Handaufzucht weitgehend zu vermeiden.
Verletzte Tiere, die nicht mehr für die Freiheit geeignet sind, bleiben in der Station. Sie werden „Ammentiere” für die zahlreichen Jungvögel. In der Station wird Handaufzucht vermieden, da von Hand aufgezogene Jungtiere später für eine Freilassung nicht mehr geeignet sind.

Aufzuchtmethoden

Adoption durch Freilandpaare

Adoption durch Freilandpaare kann nur in Einzelfällen und unter kontrollierten Bedingungen, vor allem unter Berücksichtigung des Nahrungsangebotes durchgeführt werden. In Frage kommt diese Methode für alle Arten, von denen Nester mit gleichaltrigen Jungen bekannt sind.

Adoption durch Volierenpaare

Speziell für Findlinge häufiger Arten werden Ammenpaare gehalten, die aus flugbehinderten Dauerpatienten zusammengestellt wurden. Es sind dies mehr als 15 Turmfalkenpaare, 2 Uhupaare, mehrere Mäusebussardpaare, 1 Waldohreulenpaar und 1 Waldkauzpaar.
Alle im Rahmen anderer Projekte gehaltenen Paare (Steinkauz, Schleiereule, Habichtskauz, Bartgeier, Seeadler, Schwarzmilan) stehen bei Bedarf auch für Adoptionen von Jungvögeln dieser Arten zur Verfügung.

„Hacking”

Beim Hacking wird eine Gruppe artgleicher Jungtiere eine oder mehrere Wochen vor dem Ausfliegen in einen Kunsthorst gesetzt. Die Tiere werden auch nach dem Ausfliegen noch mit Futter versorgt, bis sie ihre Selbständigkeit erlangt haben. Erfolgreich angewandt wurde diese Methode z.B. bei Wiesenweihen, Schwarzmilan aber auch bei vielen anderen Eulen- und Greifvogelarten.

Vergesellschaftung

Einzeltiere, für die kein geeignetes Ammenpaar vorhanden ist, werden frühestmöglich mit artgleichen Volierenvögeln vergesellschaftet. Alle in der Station gehaltenen Dauerpatienten stehen dafür zur Verfügung (Waldohreule, Waldkauz, Uhu, Mäusebussard, Wespenbussard, Baumfalke).
Mitunter ist auch die Kombination verschiedener Methoden zielführend. So flog z. B. ein junger Wespenbussard, der nach dem Fällen des Horstbaumes in die Station eingeliefert wurde, aus einem Kunsthorst in einem offenen Gehege mit stark flugbehinderten Artgenossen aus.
Alle in Volieren aufgewachsenen Jungtiere werden vor ihrer Freilassung rund zwei Wochen in geräumigen Flugvolieren untergebracht. Die Freilassung selbst erfolgt entweder in einem geeigneten Lebensraum zum Zeitpunkt guten Nahrungsangebotes (z.B. Uhu) oder direkt aus den geöffneten Freilassungsklappen der Trainingsvolieren (z. B. Turmfalken, Waldohreulen, Waldkäuze nach der Getreideernte.
Einzeln handaufgezogene Jungvögel, wie sie mitunter von privaten Findern abgegeben werden, werden grundsätzlich von der Freilassung ausgeschlossen und belegen Gehege, da sie zumeist als fehlgeprägte Verhaltenskrüppel einzeln gehalten werden müssen.
Die Freilassungsquote für Findlinge beträgt 98 bis 100 %.

Liste der bisher betroffenen Arten

Greifvögel
Mäusebussard Sperber Wespenbussard Rohrweihe
Wiesenweihe Baumfalke Rotfußfalke Turmfalke
Bartgeier
(Aufzucht von spanischen Wildvögeln aus verlassenen oder gefährdeten Horsten; Aufzucht von Jungen aus Zoos, die Mitglieder des Bartgeier EEP (Eropäisches Erhaltungszuchtprogramm) sind)
Eulen
Schleiereule Uhu Steinkauz Waldkauz
Waldohreule Sperlingskauz Zwergohreule Habichtskauz
Andere seltene Vogelarten
Großtrappe Weißstorch Schwarzstorch

Zusätzlich zu den genannten Arten werden auch eine große Anzahl an Krähenvögeln (Aaskrähen, Saatkrähen, Dohlen, Elster, Eichelhäher) und anderen Singvogelarten, sowie Mauersegler übernommen, die entweder von der Univ.-Klinik für Geflügel, Ziervögel, Reptilien und Fische der Veterinärmedizinischen Universität Wien aufgenommen und weitergegeben werden, direkt in der Station oder am Institut für Parasitologie und Zoologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien von den Findern abgeliefert werden. Die Freilassungen der kleineren Singvogelarten sowie der Mauersegler erfolgt auf dem Gelände der Veterinärmedizinischen Universität Wien.