Spontane Einsätze der Eulen- und Greifvogel-Station Haringsee
Schnelles Eingreifen bei akuten Bedrohungen gefährdeter Arten sind Maßnahmen und Aktivitäten der Station, die nicht im Voraus geplant werden können und die keine laufenden Projekte betreffen.

Die meisten notwendigen Arbeiten und Aktivitäten in der Station sind bekannt und zumeist vorausschauend plan- und budgetierbar. Es gibt aber immer wieder, vor allem in ihrem Ausmaß nicht vorhersehbare Probleme im Eulen- und Greifvogelschutz mit denen die Station konfrontiert wird
Spontan zu setzende Aktionen sind Bestandteil eines umfassenden Eulen- und Greifvogelschutzes. Es werden Patienten, Jungvögel und beschlagnahmte Vögel übernommen und behandelt. Ziel ist die Freilassung der wieder genesenen, psychisch und physisch intakten Vögel (Auffangstation).
Für verschiedene Wiederansiedlungs- und Bestandsstützungsprojekte (Zucht für Artenschutzprojekte).
Für einige gefährdete Arten werden regionale Schutz- und Hilfsmaßnahmen durchgeführt (regionale Artenschutzprojekte).

Beispiele:

• Brutplatzsicherung, z. B. für Großtrappe, Sumpfohreule,Wiesenweihe
• Horstbewachung, z. B. für Sakerfalke, Seeadler
• Recherchen bei Vergiftungsfällen, Aushorstungen etc.
• Übernahme von beschlagnahmten Tieren zur Verwahrung, zur Freilassung oder zur Integration in Nachzuchtprojekte.
• Mithilfe bei Ermittlungen und Beschlagnahmungen von Zoll- und Naturschutzbehörden

Wenn für spontane Einsätze Handlungen gesetzt oder Entscheidungen getroffen werden müssen, sind gewisse Handlungsspielräume und Entscheidungsfreiheit notwendig.

Artenpriorität

Es sind primär Eulen und Greifvögel betroffen, die Station wird aber immer wieder auch mit anderen Arten wie Weiß- und Schwarzstörchen, Graureihern, Möwen, vor allem auch Krähenvögeln und anderen Singvögeln konfrontiert.

Fallbeispiele

• Vergiftungen
Seit Winter 1993/94 wurden zunächst mehrere, seit 1997 eine Vielzahl an toten oder noch lebenden Vögeln (Rohrweihen, Mäusebussarde, Krähen, Seeadler) mit Vergiftungserscheinungen in die Station eingeliefert. Damit kündigte sich der illegale Einsatz von Gift als hochaktuelles Thema an. Betroffen waren zunächst Jagdreviere im Tullnerfeld und Marchfeld, allerdings stellte sich bald heraus, dass Gift fast flächendeckend in Niederwildrevieren illegal zur Raubwildbekämpfung eingesetzt wurde und wird. Da auch seltene Arten wie Seeadler und Kaiseradler durch Giftköder gefährdet sind (bisher fielen 9 Seeadler dieser Art des „Wildlife Managements” zum Opfer), musste die Station rasch handeln und Kapazitäten umlenken (Giftködersuche, Kontakte zu Behörden, zu Untersuchungslaboratorien, zu Medien, zu anderen Tier- und Naturschutzorganisationen). In fast allen Fällen kamen Carbamate zum Einsatz, in der industriellen Landwirtschaft großflächig eingesetzte Insektizide.
In den Jahren 1999 und 2000 nahm sich der WWF Österreich in Kooperation mit dem NÖ Landesjagdverband, die Tierschutzorganisation Vier Pfoten sowie das Tierhilfswerk Austria dieser Problematik an. Diese Organisationen übernahmen Pressekontakte, publizierten Folder und Plakate, organisierten Pressekonferenzen, nahmen Kontakte zu Tierärzten, zu Forschungslaboratorien, zu Patientenbesitzern auf. Die Suche nach Giftködern und vergifteten Tieren, das Warten auf Gendarmerie und Jagdaufseher in zumeist weit abgelegenen Revieren sowie die Übergabe der Fundstücke an Untersuchungslaboratorien übernahmen Mitarbeiter der Station. Eine Gifthotline wurde eingerichtet.
Die „Giftzeit” erstreckt sich von Dezember bis März/April.

• Brutplatzsicherung für die Wiesenweihe
1989 stießen bei Drescharbeiten Landwirte auf Nester von Greifvögeln und informierten die Greifvogelstation. Mitarbeiter der Station konnten neben einer Rohrweihenbrut auch mehrere Nester von Wiesenweihen lokalisieren. Ein Nest war zerstört, die Jungen getötet. Um weitere Brutverluste abzuwenden, musste sofort gezielt eingegriffen werden. Die Jungen eines bereits ausgemähten Nestes wurden in der Station aufgezogen, die anderen Nester konnten abgesichert werden, nachdem dem Bauern eine Entschädigung für Ernteverluste zugesichert wurde. In den darauf folgenden Jahren wurde vor und während der Brutzeit das Gebiet bei Schönfeld/Marchegg (Niederösterreich) kontrolliert und wenn notwendig, Schutzmaßnahmen eingeleitet.
1994 und 2000 brüteten Wiesenweihen in der Nähe von Maissau (Niederösterreich) ebenfalls in Getreidefeldern. In Zusammenarbeit mit der Naturschutzabteilung der NÖ Landesregierung und den betroffenen Landwirten wurden Schutzmaßnahmen durchgeführt.

• Freilassung beschlagnahmter Sakerfalken
Im Winter 1991/92 übernahm die Greifvogelstation 19 von der Kölner Naturschutzbehörde beschlagnahmte Sakerfalken. 16 konnten in Zusammenarbeit mit einer slowakischen Naturschutzorganisation freigelassen werden. Ein mit einem Sender versehener Falke wurde 3 Monate nach seiner Freilassung, als er die österreichische Grenze überflog, an der March abgeschossen.

• Habichtsadler
1995 wurde von den österreichischen Zollbehörden ein bei einem Falkner beschlagnahmter Habichtsadler zur Verwahrung übernommen. Das Tier war angeblich auf einem Acker in Niederösterreich verletzt eingefangen (Habichtsadler sind Bewohner des Mittelmeerraumes!) und von dem Falkner gepflegt worden. Zur Kennzeichnung hatte der Falkner den Ring eines toten Adlerbussards montiert. Durch ein Gutachten, das die Station auf eigene Kosten an der Technischen Universität Wien erstellen ließ, konnte nachgewiesen werden, dass der Ring des Adlerbussards niemals an einem anderen Vogel als an dem Habichtsadler montiert gewesen sein konnte.
Der Vogel wurde 3 Jahre nach seiner Beschlagnahme von den Behörden freigegeben und auf Vermittlung der Station in ein Zuchtzentrum für ein französisches Habichtsadlerprojekt überstellt.

• Nistkastenprojekt für Sakerfalken
Am 3. Wiener Tierschutztag (8./9. Juni 2000) trat am Informationsstand der Greifvogelstation ein Inspektor der Hundestaffel der Wiener Polizei an einen der Mitarbeiter heran. Er erkundigte sich nach der Möglichkeit einer natürlichen Bekämpfung einer sehr großen Zieselpopulation am Polizei-Hundetrainingsplatz in Strebersdorf. Die Ziesel, eine steppenbewohnende Erdhörnchenart, würden durch ihre eifrige Grabetätigkeit einen ruhigen Ablauf der Trainingsstunden stören.
Ziesel bilden die Hauptnahrung von Sakerfalken, das Gelände ist durch seinen Schutz durch die Behörde ruhig und ungestört und zusätzlich befindet sich auf diesem Übungsgelände ein 60 m hoher Schornstein an dem ein Nistkasten für Sakerfalken montiert werden konnte. Da immer wieder Sakerfalken in diesem Gebiet gesichtet wurden, war durchaus anzunehmen, dass über kurz oder lang sich dort ein Brutpaar ansiedeln wird.
Ein weiteres Projekt für Sakerfalken wurde gemeinsam mit dem Verbund-Austrian Powergrid AG projektiert. Ob die zuständige Jägerschaft dem Projekt zustimmen wird ist zurzeit noch offen.