Die Schleiereule
Steckbrief
Wissenschaftlicher Name: Tyto alba

Vorkommen: Besiedelt große Teile Europas; fehlt nördlich der
Britischen Inseln, Dänemark und in Hochgebirgen

Größe: ca. 22 cm
Gewicht: 160-260 g
Flügelspannweite: 50-60 cm
Geschlechtsreife: ab 7 Monate
Höchstalter: 20 Jahre

In der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel Österreichs gilt die Schleiereule als „vom Aussterben bedroht”.

Aussehen
Schleiereulen sind auffallend hell mit weißgrauem, bis rostrotem, gelblichem Gefieder mit dunklen Punkten. Sie sind deutlich an ihrer herzförmigen Gesichtsmaske, die durch einen Federnkranz umrahmt ist erkennbar. Ebenso auffällig: Der lange gelbe Schnabel und die relativ kleinen schwarzen Augen. Lange, schlanke Flügel machen die Tiere zu einem sehr wendigen und praktisch lautlosen Jäger.

Lebensraum
Schleiereulen sind aufgrund ihrer Nahrungsansprüche an tiefere Lagen (bis 600 m), wo während des Winters keine durchgehende Schneedecke liegt, gebunden. Als Kulturfolger, die sich an menschliche Siedlungen angeschlossen haben, brauchen sie weite, reich strukturierte Landschaften mit offenen Scheunen, Getreidespeichern und Kirchtürmen, die ihnen als Nist- und Tagesschlafplatz dienen. Offenes Kulturland mit ganzjährig kurzer Vegetation ist das bevorzugte Jagdgebiet.

Lebensart
Schleiereulen sind nachtaktiv. In den Stunden um Mitternacht und vor Tagesanbruch liegt ihre Hauptaktivitätszeit. Ihre Augen und ihr Gehör sind besonders gut ausgeprägt.
Unter Tags verharren sie meist regungslos in ihren Tageseinständen. Schleiereulen leben territorial in einem 200 bis 400 ha großen Areal um ihren Nistplatz, das beide Partner gegen Artgenossen verteidigen.

Fortpflanzung

Im Frühjahr lockt das Männchen das Weibchen zu einem von ihm ausgesuchten Nistplatz und übergibt ihm Beute. Nist- und Brutmöglichkeiten bieten offene Kirchtürme oder Dachböden älterer Gebäude. Schleiereulen leben sowohl in monogamer als auch polygamer Partnerschaft. Nur das Weibchen bebrütet die 4-9 Eier, die im Abstand von 2 Tagen gelegt werden. Das Männchen füttert das Weibchen und auch die Jungen, die nach etwa 30 Tagen schlüpfen. Sie verlassen mit ungefähr 6 Wochen nach dem Schlupf das Nest. In guten Mäusejahren kann es zu Zweit- und Mehrfachbruten kommen, bzw. zu Schachtelbruten, d.h. ein Zweitgelege wird gezeitig obwohl die Jungen der ersten Brut noch im Nest sitzen und vom Männchen versorgt werden.

Nahrung
Bis zu 96% besteht die Nahrung einer Schleiereule aus Kleinsäugern wie Feld- und Spitzmäusen. Vögel, Amphibien und Insekten machen den wesentlich geringeren Beuteanteil aus. Gejagt wird auf unterschiedliche Arten: Ansitzjagd und Pirschflug wechseln sich ab. Fast lautlos jagt die Schleiereule in halboffenem bis offenem Gelände.

Gefährdung
Die Rückgangsursachen sind anthropogener Natur.
Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die damit verbundene Strukturverarmung der Kulturlandschaft sind Wiesen und Ackerrandstreifen weitgehend verschwunden, was einen Verlust des Jagdgebietes der Schleiereulen bedeutet.
Bei Kirchenrenovierungen wurden mit den Tauben auch die Schleiereulen aus den Kirchtürmen verbannt, manchmal sogar darin eingeschlossen. Auf Bauernhöfen wurden Taubenschläge, Scheunen und Stadel abgerissen und durch sterile, große und moderne Betriebs- und Maschinenhallen ersetzt. Hier konnte keine Schleiereule einen Brutplatz oder Tageseinstand finden.
Die alte bäuerliche Infrastruktur war auch als Winterjagdgebiet bestens geeignet. Die Bauernhöfe mit ihren großen Stallungen, Scheunen und Kornspeichern boten nicht nur ausreichend Versteck- und Brutmöglichkeit sondern auch genügend Mäuse als Winternahrung.
Weitere Faktoren für Verluste sind Rodentizide, direkte Verfolgung und ein hoher Anteil an Verkehrsopfern.

Schutz- und Hilfsmaßnahmen
Einzelne Schleiereulen-Bruthinweise gibt es aus dem Rheintal in Vorarlberg, dem Weinviertel und dem Marchfeld in Niederösterreich, dem Seewinkel im Burgenland und dem Südburgenland.
Wie im gesamten Bundesgebiet schrumpfte auch im Marchfeld der Bestand in den 60er Jahren. Anfang der 70er Jahre waren fast alle traditionellen Brutplätze verwaist. Lediglich je ein Paar in Groissenbrunn und Baumgarten konnte sich länger halten.
Für die Schleiereule im Marchfeld führt die Station seit längerer Zeit ein regionales Artenschutzprojekt durch.

Hilfreich für die Schleiereulen sind Einflugmöglichkeiten in Scheunen und Stadeln. So können die Eulen, sofern es sich um einen ruhigeren Stadel handelt, eigene Brutplätze suchen.

Auch das Anbringen von Nistkästen auf Dachböden oder in Scheunen trägt viel zur Etablierung der immer seltener werdenden Tiere bei.
Um den Restbestand zu stützen und Brutpaare im Marchfeld wieder anzusiedeln, wurden nachgezüchtete Schleiereulen, die teilweise für ethologische Untersuchungen verwendet wurden, oder deren Nachkommen freigelassen. Der Ursprung der bestehenden Population im Marchfeld ist auf diese freigelassenen Schleiereulen zurückzuführen. Durch den Bau und das Anbringen von Nistkästen wird versucht, den Brutplatzmangel zu beseitigen. Sie werden innerhalb von Gebäuden mit direktem Zugang von außen angebracht. Durch Anbieten mehrerer Nistkästen soll nicht nur eine Auswahlmöglichkeit geschaffen werden, sondern auch das Angebot an ungestörten Tageseinständen erhöht werden. Eine Chance ist u.a., die wieder zunehmende Pferdehaltung, die eine den früheren Bauernhöfen ähnliche Struktur mit sich bringt und der Schleiereule auch im Winter Jagdmöglichkeiten bietet. Dort soll der Schleiereule durch verbessertes Brutplatzangebot, Struktur- und Habitatsverbesserungen eine Besiedlung leichter gemacht werden.

Information und Akzeptanz der Bevölkerung


Allgemein ist die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Artenschutzprojekten positiv. So entstand ein neuer Brutplatz, nachdem eine Schleiereule in einem Kamin verunglückte und die Finder, eine Familie mit Kindern, spontan einen Nistkasten hinter ihrem Dachbodenfenster montierten. Andererseits wird die Schleiereule wegen ihrer lauten Stimme oder wegen Verschmutzung von Dachböden nicht immer so geliebt. Um eine Schleiereulenbrut zu verhindern wurde beispielsweise das Einflugloch verstopft. Akzeptanz und Toleranz gegenüber der Schleiereule müssen durch Information und direkten Kontakt zur Bevölkerung verbessert werden. Da die Schleiereule im Siedlungsgebiet lebt, ist es besonders wichtig, die Bevölkerung von der Schutzwürdigkeit der Schleiereule zu überzeugen.

Ergebnisse der bisherigen Schutzbemühungen

Im Umkreis der Greifvogelstation konnten mehrere Brutpaare etabliert werden. 1987 brütete zum ersten Mal ein Schleiereulenpaar erfolgreich in einer Dachgaupe in Haringsee. In den letzten 12 Jahren flogen mehr als 200 Schleiereulen aus.
Auch im Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel brütet die Schleiereule lt. Aussage von Nationalparkdirektor K. Kirchberger „praktisch in jedem Nationalparkstall”.