Steckbrief
Wissenschaftlicher Name: Strix uralensis
Vorkommen: Europa - Schweden, Finnland, Sowjetunion,
Slowakei, Ungarn, Slowenien, Rumänien, Süddeutschland
(nach erfolgreichen Wiederansiedlungsprojekten des Nationalparks Bayerischer Wald), Italien und in Tschechien.
Größe: 54 bis 61 cm
Gewicht: 503-1 307 g
Flügelspannweite: 115-134 cm
Geschlechtsreife: nach dem 1. Lebensjahr
Höchstalter: 22 Jahre
In der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel Österreichs gilt der Habichtskauz als „ausgestorben”.
Aussehen
Der Habichtskauz ähnelt dem Waldkauz, ist jedoch größer, hat längere Stoßfedern und sein Gefieder ist an der Unterseite mit dunklen Längsstreifen versehen. Oberhalb des gelben Schnabels hat er einen dunklen Mittelstrich. Sein deutlich ausgeprägter Gesichtsschleier zeigt eine feine dunkle strahlenförmige Strichelung. Er hat schwarzbraune Augen. Seinen Namen hat er, da er im Flug durch die Zeichnung an Schwanz und Flügeln an einen jungen Habicht erinnert.
Lebensraum
Der Habichtskauz benötigt offene Flächen und naturnahen Wald. Er besiedelt lichte Altholzbestände, meidet dagegen große, geschlossene Wälder. Der Habichtskauz kommt vor allem in Nordosteuropa vor (Schweden, Finnland, Sowjetunion), daneben auch in den Gebirgen Südosteuropas (Italien, Jugoslawien, Rumänien, Ostslowakei). In Deutschland und in Tschechien wurde er wieder erfolgreich angesiedelt. In diesem Zusammenhang wurde 1989 im Nationalpark Bayerischer Wald die erste erfolgreiche Naturbrut nachgewiesen.
In Österreich gilt der Habichtskauz seit 1925 als ausgestorben. Zwar werden immer wieder in Kärnten, im oberösterreichischen Mühlviertel, im Burgenland und der Steiermark Tiere gesichtet, es konnten aber keine Brutnachweise für Österreich erbracht werden.
Lebensart
Der Habichtskauz ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Besonders während der Jungenaufzucht und gelegentlich im Winter jagt er auch bei Tage. Der Habichtskauz ist wenig scheu, bleibt jedoch wegen seiner vorwiegend nächtlichen Lebensweise oft unentdeckt. In der Nähe des Brutplatzes reagiert das Weibchen häufig sehr aggressiv. Sein schwedischer Name heißt daher auch "Slaguggla" und bedeutet "angreifende Eule".
Fortpflanzung
Habichtskäuze leben monogam. Sie nisten in Greifvogelhorsten aber auch in Baumhöhlen, die im Norden Europas besseren Schutz vor dem rauen Klima bieten. Der Kauz bewohnt jedoch auch gerne Holznistkästen, die ihm z. B. in der Slowakei angeboten werden.
Die Eiablage ist in den Monaten März/April. Die 2-6 gelegten Eier werden in 27-29 Tage bebrütet. Die Jungen verbleiben als Nestlinge 34-35 Tage im Horst. In dieser Zeit sorgt ausschließlich das Männchen für Nahrung. Bei Störungen verlassen die Jungen den Horst schon früher. Nach dem Verlassen des Nestes werden die Jungen noch weitere 2 Monate von den Eltern versorgt.
Nahrung
Kleinsäuger, vor allem Wühlmäuse und Schläfer zählen zur Hauptnahrung von Habichtskäuzen. Daneben werden auch Vögel, Amphibien und Insekten erbeutet. Der Habichtskauz ist Ansitzjäger. Er lokalisiert Beutetiere auch noch unter einer 20-30 cm hohen Schneedecke offenbar akustisch. Er ortet sie dann ausschließlich mit seinem Gehör und stürzt mit vorgestreckten Krallen an die betreffende Stelle.
Gefährdung
Große Risiken sind für den Habichtskauz Verkehr oder Forstzäune, weil diese Art Freiflächen knapp über dem Boden fliegend quert.
Der Grund für das Verschwinden des Habichtskauzes in Österreich und vielen früheren Verbreitungsgebieten liegt einerseits im Verlust von Lebensraum, andererseits aufgrund direkter Verfolgung durch den Menschen, der Eulen fälschlicherweise als Unglücksbringer und Jagdkonkurrenten betrachtet hatte.
Schutz- und Hilfsmaßnahmen
Seit 1991 besteht eine Zusammenarbeit mit dem Verein Arbeitsgruppe für Greifvögel und Eulen, Leiter Hr. Jozef Mihok, Kosice, der sich den Schutz und Erhalt von Eulen und Greifvögeln in der Ostslowakei zum Ziel gesetzt hat. Jozef Mihok betreut mehr als 100 Nistkästen und beringt jährlich unzählige Junge. Verunglückte und flugversehrte Habichtskäuze aus dieser Population wurden und werden in unseren Zuchtstock integriert.
Zuchtprojekt zur Wiederansiedlung
Derzeit befinden sich sechs erfolgreiche Zuchtpaare in der Greifvogelstation. Zwischen 1978 und 2004 wurden 32 junge Habichtskäuze dem Nationalpark Bayerischer Wald zur Aussiedlung übergeben. Seit 1990 sind dort zahlreiche Freilandbruten nachgewiesen, auf tschechischer Seite im Jahr 2000 drei. Die tschechische Republik beteiligt sich seit 1995 im Bereich des ‡Nationalparks Sumava an diesem Projekt und seit 1999 der ‡Zoo Laibach in Slowenien mit einem weiteren Zuchtpaar.
In Österreich wurde eine Zuchtgemeinschaft gegründet. Neben den 6 vorhandenen Paaren in der Station stehen bei Privatpersonen und Zoos noch weitere 6 Paare.
Wiederansiedlungsprojekt in Österreich 2001
In zwei vom EGS Österreich in Auftrag gegebenen Habitatstudien wurde der an die Freilassungsgebiete in Bayern und Tschechien angrenzende Böhmerwald/OÖ als gut geeigneter Lebensraum für Habichtskäuze eingestuft. Im Juni 2001 wurden gemeinsam mit dem WWF Österreich, der Oberösterreichischen Landesregierung und dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft/BMLFUW zwei junge Habichtskäuze freigelassen. Die jungen Käuze haben sich gut eingelebt und entwickelten sich zu vollwertigen Wildtieren. Ihre Streifzüge konnten durch Signale der Sender, die den Vögeln vor der Freilassung angebracht wurden, genau verfolgt werden. Im Dezember wurde ein Habichtskauz leider tot aufgefunden. Die Obduktion ergab, dass er abgeschossen und dann erdrosselt wurde. Im Jänner 2002 verendete der zweite Habichtskauz an einer natürlichen Ursache. Von weiteren Freilassungen wurde deshalb vorerst Abstand genommen. Durch eine gezielte Informationskampagne vor Ort sollen die Voraussetzung für eine Wiederbesiedlung verbessert werden.
Habichtskauzprojekt 2004
Im Dezember 2003 wurde ein Habichtskauz im Burgenland gefunden, dieser wurde von mehreren Autos angefahren bzw. überfahren. Das Tier wurde in die EGS-Station gebracht und gesund gepflegt und im Jänner 2004 in der Nähe seines Fundortes wieder freigelassen.
Der Habichtskauz, ein erwachsenes Weibchen, wurde mit einem Fußring und einem Sender freigelassen und von Mitarbeitern und Freiwilligen verfolgt und beobachtet.
Nach 3 Wochen verlor der Vogel den Sender, da die Feder an der dieser montiert war ausfiel.
Drei Nistkästen wurden im Herbst 2004 aufgehängt, von denen einer von einem Waldkauz besetzt wurde, die beiden anderen blieben jedoch leer.
Vorrangige Ziele des Projektes:
Ausbau und Vertiefung der bereits begonnenen Öffentlichkeitsarbeit, sowie Kooperation mit Gemeinden, Jägern, Bundesheer und Anrainern, um sie über die Vorgänge des Projektes zu informieren und für dieses Thema zu sensibilisieren.
Des Weiteren sollen durch die Öffentlichkeitsarbeit interessierte Leute in das Projekt eingebunden werden.
Im Zuge dieser Arbeit sollen neben Nistkastenkontrollen Hinweise wie Sichtungen, Rufe, Gewölle, u.v.m. gesammelt und überprüft werden.
Durch die gewonnenen Erkenntnisse sollen langfristige Managementmaßnahmen zur Förderung des Habichtskauzes im südlichen Burgenland erstellt werden.
Link:
www.habichtskauz.at



